Aktuelles > Nachrichten > Zehn Meter unter der Donau durch

20.12.2011 09:38:00 |
„Der sitzt bombenfest.“ Kapo Günter Heinrich wirkt nicht gerade glücklich. Der Kopf seines Bohrgestänges ist zehn Meter unter der Flusssohle der Donau hängengeblieben. Dieses Malheur macht die Arbeit des Bautrupps der Allgäuer Firma Wild nicht leichter.

Sie sind angetreten, die Donau zwischen Joshofen und der Grünauer Straße zu unterqueren. Mit Hochdruck pressen die Spezialisten ein Stahlrohr mit 50 Zentimetern Durchmesser durch die mit Kalkstein versetzten Tonschichten im Untergrund. Der dünne Pilotbohrer fraß sich programmgemäß durch den Boden, doch dann blieb der größere Bohrkopf stecken. Er sollte den Minitunnel aufweiten. Der Kopf steckte in hellbraunem steinzeitlichem Holz, das den Bohrer wie Gummi umschließt. Am nächsten Tag löste sich langsam die Umklammerung und damit die Anspannung der Mannschaft. Der Dükerbau läuft weiter.

Die Stadtwerke Neuburg als Auftraggeber wollten den Donaudüker noch heuer haben. 2011 gilt als Basisjahr für das künftige Netzentgelt. Investitionen machen sich doppelt bezahlt. Der Düker kostet 700 000 Euro und soll drei Leitungen aufnehmen: Wasser, Strom und später Kabel für Telekommunikation.

Ein Kunststoffrohr mit 45 Zentimetern Durchmesser soll diese Netze aufnehmen. Im Falle der Neuburger Donauquerung erreicht es 470 Meter Länge. Mit Spiegelschweißen und Druck fügen Spezialisten 13-Meter-Stücke zusammen. Die schwarze Endlos-Leitung lagert schon am Straßenrand in Joshofen und wartet darauf, vom Nordufer aus durch das eiserne Schutzrohr gezogen zu werden. Dieses Manöver wird erst für Mitte Januar erwartet – falls es der Winter zulässt.

Die Wild-Leute haben mit Horizontalbohrungen bereits Rhein-Neckar, Iller, Traun, den Alpsee und 60 Meter tief einen dänischen Fjord unterquert. „Da schaffen wird die Neuburger Donau auch noch“, sagt der Vorarbeiter.

Kommt der elektrische Strom erst über Erdkabel und Düker nach Joshofen, können die Stadtwerke die Freileitung mit Dutzenden Holzmasten abmontieren. Die Gefahr eines „Blackout“ sinkt rapide. Beim Trinkwasser bleibt der kleine Stadtteil vorerst noch Gast der Heimberggruppe.

Düker für Joshofen


Quelle: Donaukurier / Winfried Rein